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Rick Wakeman und seine monumentalen Keyboards: Prog-Rock in seiner Übergröße

Das Wichtigste in Kürze
  • Rick Wakeman revolutionierte die Rolle des Keyboards im Rock, indem er es zum vollwertigen Soloinstrument erhob.
  • Sein Arsenal an Keyboards – Minimoog, Mellotron, Hammond, Flügel – prägte den Sound des Progressive Rock der 70er Jahre.
  • Seine Konzeptalben (The Six Wives of Henry VIII, Journey to the Centre of the Earth, King Arthur) verbanden Rock, Symphonieorchester und Chor.
  • Die Show King Arthur on Ice in Wembley 1975 gilt als eines der verrücktesten Konzerte der Rockgeschichte.

Als ich zum ersten Mal Roundabout von Yes hörte, fragte ich mich: „Was ist das für ein Instrument, das klingt wie ein ganzes Orchester?“ Die Antwort war Rick Wakeman und seine Keyboard-Mauer. Der Typ im goldenen Umhang umgeben von Synthesizern bewies, dass das Keyboard mit der E-Gitarre mithalten kann. Ein Rückblick auf einen Keyboarder, dessen Übergröße nur von seinem Talent übertroffen wird.

Vom Royal College of Music zu legendären Sessions

Rick Wakeman wurde am 18. Mai 1949 in Perivale, West-London, geboren. Er begann mit fünf Jahren Klavier zu spielen und mit zwölf Orgel. Er besuchte das renommierte Royal College of Music, doch die Vorlesungen konnten nicht mit dem Ruf des Studios konkurrieren. Schnell machte er sich als Session-Musiker unter dem Spitznamen „One Take Wakeman“ einen Namen – weil ihm eine einzige Aufnahme genügte.

Seine Liste an Kollaborationen ist beeindruckend: David Bowie (er spielte das Mellotron auf Space Oddity), T.Rex, Elton John, Cat Stevens, Lou Reed… Noch bevor er selbst zum Star wurde, prägte Wakeman einige der ikonischsten britischen Rockplatten mit.

Gut zu wissen

Rick Wakeman kaufte seinen ersten Minimoog zum halben Preis vom Schauspieler Jack Wild (der Dodger in Oliver!), der dachte, das Instrument sei defekt, weil es nur eine Note gleichzeitig spielen konnte. Kein Wunder: Der Minimoog ist ein monophones Synthesizer – das ist seine Natur, kein Fehler!

Yes: Das Keyboard übernimmt die Macht

1971 verließ Wakeman die Strawbs, um Yes beizutreten und ersetzte Tony Kaye, der sich weigerte, Synthesizer zu benutzen. Auf Fragile und später Close to the Edge präsentierte er ein Setup, von dem man träumt: Hammond-Orgel, Flügel, Mellotron, elektrisches RMI-Klavier und den Minimoog.

Auf der Bühne thronte Wakeman inmitten seiner Keyboard-Festung, mit einem glitzernden Umhang auf den Schultern. Zusammen mit Keith Emerson (ELP) verwandelte er das Keyboard in ein Soloinstrument, das jeder Gitarre Paroli bieten konnte. Als er zum ersten Mal seinen Minimoog bei einer Probe mit Yes anschloss, erinnerte er sich an die entsetzten Gesichter der Gitarristen und sagte: „Und ich kann noch lauter werden!“

Auf Close to the Edge erreicht der Prog-Rock neue Höhen. Wakeman kombiniert brodelnde Passagen der Hammond-Orgel, ätherische Mellotron-Flächen und eine Passage, die auf der Kirchenorgel von St Giles‘ Cripplegate in London aufgenommen wurde.

Soloalben: Wenn Übergröße zur Kunst wird

Parallel zu Yes unterschrieb Wakeman bei A&M für eine Solokarriere, die alle Grenzen sprengen sollte. The Six Wives of Henry VIII (1973) gab den Ton an: sechs musikalische Porträts der Ehefrauen Heinrichs VIII., gespielt mit einem beeindruckenden Arsenal an Keyboards. Das Album erreichte Platz 7 in Großbritannien und soll sich etwa 15 Millionen Mal verkauft haben. Nicht schlecht für eine instrumentale Progressive-Rock-Platte.

Doch Journey to the Centre of the Earth (1974) sprengte alle Rekorde. Live aufgenommen in der Royal Festival Hall in London, vereinte das Album das London Symphony Orchestra, den English Chamber Choir und das English Rock Ensemble. Auf der Bühne jonglierte Wakeman mit drei Mellotrons, zwei Minimoogs, einem Flügel, einer Hammond, einem Fender Rhodes und einem Hohner Clavinet. Das Album erreichte Platz eins in Großbritannien und verkaufte sich über 12 Millionen Mal.

Profi-Tipps

Wenn du die Klänge des Mellotron ohne großen Aufwand erleben möchtest, ist das Mellotron M4000D eine kompakte digitale Version mit 100 Sounds, die von den Originalbändern aufgenommen wurden. Die legendären Streicher- und Chor-Texturen des Prog sind darin enthalten.

King Arthur on Ice: Der totale Wahnsinn

Und dann gibt es noch The Myths and Legends of King Arthur (1975). Komponiert, als Wakeman sich mit nur 25 Jahren von Herzinfarkten erholte, ist das Album ein Monument des orchestralen Progressive Rock. Doch es ist die Live-Inszenierung, die es zur Legende machte.

Im Mai 1975 wollte Wakeman King Arthur in der Wembley Arena aufführen. Problem: Eine Eisbahn war bereits aufgebaut. Seine Reaktion? „Sehr gut, dann machen wir es auf Eis!“ Drei ausverkaufte Abende lang spielte der Keyboarder umgeben von Schlittschuhläufern in Ritterkostümen, einem Orchester und Nebelmaschinen, die einen so dichten Nebel erzeugten, dass sich die Läufer gegenseitig verloren. Sein Umhang verfing sich an einem erhöhten Synthesizer und ließ ihn in der Luft hängen. Totales Chaos – und ein prägender Moment des Rock-Spektakels.

Die Kritiken waren gemischt und die Show machte Verluste, aber Wakeman war das egal: „27.000 Menschen sahen diese drei Konzerte, aber ich wette, 127.000 behaupten, dabei gewesen zu sein.“

Tipp

Um den klanglichen Einfluss von Rick Wakeman zu verstehen, höre Close to the Edge von Yes mit Kopfhörern. Konzentriere dich auf den Mittelteil: Du wirst hören, wie er Hammond, Mellotron und Kirchenorgel übereinanderlegt, um mit nur Keyboards eine fast orchestrale Textur zu schaffen.

Ein außergewöhnliches Keyboard-Arsenal

Wenn man über Wakeman spricht, kommt man nicht umhin, über sein Equipment zu reden. Im Laufe seiner Karriere besaß er Hunderte von Keyboards – seine aktuelle Sammlung schätzt er auf etwa fünfzig Instrumente. Hier die Eckpfeiler seines Setups:

  • Minimoog: Seine Waffe der Wahl für Soli. Ein monophoner analoger Synth mit einem skalierbaren Tiefpassfilter, das einen zugleich fetten und scharfen Klang erzeugt.
  • Mellotron: Dieser Vorläufer des Samplers nutzt Magnetbänder, um Streicher-, Chor- und Flötenklänge zu reproduzieren. Dieser ätherische Klang wurde zum Markenzeichen des Prog.
  • Hammond-Orgel: Die rockige Basis von Wakemans Sound mit ihrem natürlichen Overdrive und den harmonischen Zugriegeln.
  • Flügel: Klassisch ausgebildet, hat Wakeman das akustische Klavier nie aufgegeben.
  • Korg: Eine besondere Beziehung seit den 70ern – er war einer der ersten westlichen Künstler, die in den Fabriken der Marke eingeladen wurden.
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Nach dem Prog: Eine Karriere mit tausend Facetten

Das Ende der 70er, mit dem Aufkommen des Punk, hätte Wakeman begraben können. Doch der Mann selbst gibt zu, dass der Prog Rock zu pompös geworden war. Und er erinnert sich gerne daran, dass er die Tubes entdeckte, eine kalifornische Proto-Punk-Band – nicht gerade der Lebenslauf, den man von einem „Prog-Dinosaurier“ erwarten würde.

Seine Karriere nach den 70ern ist unglaublich produktiv: fast 120 Soloalben, Soundtracks, New-Age-Alben und sogar eine Karriere als Komiker in England. 2017 wurde er mit Yes in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen, und seine Rede gilt als eine der lustigsten der Zeremonie. 2020 markiert The Red Planet eine Rückkehr zu den Wurzeln mit einem Konzeptalbum des instrumentalen Prog Rock, in dem der Minimoog wieder die zentrale Rolle einnimmt.

Ein Erbe, das noch nachklingt

Rick Wakeman hat nicht einfach nur Keyboard gespielt – er hat neu definiert, was dieses Instrument im Rock sein kann. Vor ihm war der Keyboarder eine Nebenfigur. Nach ihm ist es unmöglich, die Kraft eines Minimoog oder Mellotron zu ignorieren, wenn sie bis an ihre Grenzen getrieben werden. Ob Prog-Fan oder neugieriger Zuhörer, Wakemans Universum ist einen Besuch wert.

Quellen

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