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Prince und seine Cloud Guitar: Das Instrument so flamboyant wie der Künstler

Das Wichtigste in Kürze
  • Die Cloud Guitar wurde 1983 vom Gitarrenbauer Dave Rusan in Minneapolis entworfen, inspiriert von einem Sardonyx-Bass, den Prince in New York gekauft hatte.
  • Gefertigt aus massivem Ahorn mit durchgehendem Hals, ist sie mit aktiven EMG-Tonabnehmern (SA am Hals, 81 am Steg) und goldener Schaller-Hardware ausgestattet.
  • Erstmals im Film Purple Rain (1984) zu sehen, wurde sie fast zwanzig Jahre lang Princes Signaturinstrument.
  • Als legendäres Sammlerstück erzielte eine originale Cloud bei Auktionen bis zu 700.000 $, und eine davon ist im Smithsonian ausgestellt.

Als ich Prince zum ersten Mal in Purple Rain sah, wie er diese weiße Gitarre mit den unmöglichen Formen zog, hatte ich das Gefühl, das Instrument sei einem Traum entsprungen. Ich habe schon viele Gitarren mit originellem Design gesehen, aber die Cloud Guitar ist ein Sonderfall: ein Instrument, das aus einer fast stillen Zusammenarbeit zwischen einem visionären Künstler und einem mutigen Gitarrenbauer entstand. Ein Rückblick auf die Entstehung, die technischen Daten und das Erbe einer Gitarre, die die Beziehung zwischen Musiker und Instrument neu definierte.

Die Entstehung der Cloud Guitar: Minneapolis, 1983

Die Geschichte beginnt bei Knut-Koupée Music, einem Kultladen im Uptown-Viertel von Minneapolis, in dem Prince seit seiner Jugend oft war. Dort arbeitete Dave Rusan, ein erfahrener Gitarrenbauer, der bereits Instrumente für Keith Richards und Gary Moore gefertigt hatte.

Ende 1983 kam Prince mit einem Projekt im Kopf: einem Film namens Purple Rain. Er brauchte eine maßgeschneiderte Gitarre. Seine Vorgaben? Er legte einen Sardonyx-Bass auf den Tresen – ein einzigartig gestaltetes Instrument, das der Gitarrenbauer Jeff Levin in den 70ern entworfen hatte – und bat um eine Gitarre, die diese Silhouette aufgreift. Sie sollte weiß sein, mit goldener Hardware und EMG-Tonabnehmern. Punkt. Rusan musste den Rest erraten.

Gut zu wissen

Der Spitzname „Cloud“ stammt nicht von Prince selbst. Er tauchte mit dem Cover von Around the World in a Day (1985) auf, auf dem die Figur einen Anzug mit Wolkenmuster trägt – derselbe wie im Video zu „Raspberry Beret“. Das Publikum stellte die Verbindung zur luftigen Form der Gitarre her, und der Name blieb haften.

Der Laden hatte einen Vorrat an O’Hagan-Gitarren, einer lokalen, inzwischen verschwundenen Marke. Rusan nutzte den Mittelteil eines Nightwatch-Modells als Basis für den durchgehenden Hals (neck-through-body) und schnitzte dann von Hand die berühmten Wirbelhörner und die Spirale um die Klinkenbuchse. Eine Mammutaufgabe für einen Gitarrenbauer, der selbst zugab, noch nie eine so komplexe Gitarre gebaut zu haben.

Anatomie einer legendären Gitarre

Abgesehen von ihrem außerirdischen Aussehen erklären die technischen Daten der Cloud, warum Prince sie so lange behielt:

  • Korpus und Hals: massiver Ahorn, neck-through-body-Konstruktion für maximalen Sustain
  • Mensur: 24,75″ (Gibson-Skala), Kopfplattenwinkel 13°
  • Bemaltes Griffbrett mit Pik-Symbolen als Griffbretteinlagen (keine Punkte!), 22 medium jumbo Bünde, Messing-Sattel
  • Tonabnehmer: aktive EMG – SA (Single-Coil) am Hals, 81 (Humbucker) am Steg, betrieben mit 9V-Batterie
  • Hardware: Schaller 457 Wraparound Steg, Schaller Mechaniken, alles in Gold
Profi-Tipps

Die Kombination EMG SA + EMG 81 ist unglaublich vielseitig. Der SA liefert einen klaren, kristallklaren und rauschfreien Klang – perfekt für Funk. Der 81 bietet kraftvollen, scharfen Gain, selbst bei starker Verzerrung. Dieses Setup ermöglichte es Prince, nahtlos von der Sanftheit von „Purple Rain“ zur Wut von „Let’s Go Crazy“ zu wechseln, ohne das Instrument zu wechseln.

Der neck-through Ahorn bringt natürliche Brillanz und beeindruckenden Sustain (Klangnachhall). In Kombination mit den aktiven EMG, die auch bei viel Overdrive ihre Definition behalten, entsteht ein gleichzeitig hi-fi und organischer Sound. Kennst du das herzzerreißende Solo am Ende von „Let’s Go Crazy“? Das ist die Cloud in Aktion: eine Gitarre, die präzise schreit.

Purple Rain und die vier originalen Clouds

Als Purple Rain 1984 erschien, wurde die Cloud sofort ikonisch. Das Album blieb 24 Wochen lang Nummer eins der Billboard 200 und verkaufte sich über 25 Millionen Mal. Prince, in der Rolle des Kid, spielte diese weiße E-Gitarre wie eine Verlängerung seines Körpers.

So zufrieden war er, dass er zwei weitere für die 98 Shows umfassende Tour bestellte. Eine vierte wurde 1985 für einen Warner Bros.-Wettbewerb gebaut. Jede weist leichte Unterschiede auf – Rusan schnitzte die Wirbel von Hand – doch sie sehen fast identisch aus. Und Prince war nicht zimperlich: Die Clouds wurden oft zerbrochen, repariert und neu lackiert. Die „Blue Angel“ (Cloud Nr. 2) hatte mindestens sechs verschiedene Farben, darunter eine Phase mit Batman-Decals. Du träumst nicht.

Vom Super Bowl ins Smithsonian

Der Super Bowl XLI 2007 bleibt die ultimative Demonstration von Princes Bühnenpräsenz. Bei strömendem Regen in Miami lieferte er die von allen als beste Halbzeitshow aller Zeiten angesehene Performance. Als er das Solo von „Purple Rain“ hinter einer riesigen Leinwand begann, seine Silhouette als Scherenschnitt mit Gitarre in der Hand, hielt die ganze Welt den Atem an. Es wird erzählt, dass Prince, als der Produzent ihn vor dem Regen warnte, nur fragte, ob man ihn nicht noch stärker regnen lassen könne.

Tipp

Du möchtest diesen funk-rockigen, durchdringenden Sound? Die aktiven Tonabnehmer liefern ein sauberes Signal und eine Dynamik, die sowohl Cleans als auch Verzerrung hervorragend verträgt. Entdecke unsere Auswahl an Tonabnehmern für E-Gitarren bei Woodbrass, um den Pickup zu finden, der zu deinem Stil passt.

Schon 1993 schenkte Prince die originale Cloud (in Gelb umlackiert) dem Smithsonian National Museum of American History. Eine CT-Scan-Untersuchung von 2019 bestätigte ihre Echtheit und zeigte die aufeinanderfolgenden Farbschichten. Auf dem Markt erreichen Clouds Spitzenpreise: 700.000 $ für eine teal-farbene Cloud 2017, 563.000 $ für die „Blue Angel“ 2020 bei Julien’s Auctions.

Die Erben der Cloud

Nach den vier Originalen übernahmen andere Gitarrenbauer das Erbe. Andy Beech baute in den 90ern 27 weitere Clouds und die „Love Symbol“-Gitarren. Schecter, die kalifornische Marke, produzierte ab 1998 Repliken und erneut während der „Hit and Run“-Tour 2014-2015. Wenn du eine Schecter-Gitarre suchst, die flamboyanten Stil mit solider Handwerkskunst verbindet, bist du hier richtig. Dave Rusan stellt weiterhin detailgetreue Nachbauten in seiner Werkstatt in Bloomington her, wobei jede Replik etwa 100 Stunden Handarbeit erfordert.

Woodbrass-Tipp

Du brauchst keine Cloud für 500.000 $, um in Princes Klangwelt einzutauchen. Eine E-Gitarre aus Ahorn mit aktiven Tonabnehmern bringt dich dieser Klarheit und Vielseitigkeit, die sein Spiel prägten, schon sehr nahe. Durchstöbere unseren Katalog – wir helfen dir, das passende Instrument zu finden.

Mehr als eine Gitarre, ein Manifest

Die Cloud Guitar ist nicht nur ein Instrument. Sie ist ein Kunstobjekt, ein visuelles Statement, die Verkörperung all dessen, wofür Prince stand: Kühnheit, Einzigartigkeit, Ablehnung von Konventionen. In einer Welt, in der die meisten Gitarristen zwischen Strat und Les Paul schwanken, entschied er sich, etwas fertigen zu lassen, das es nirgendwo sonst gab. Und diese Gitarre, geboren im Keller eines Ladens in Minneapolis, landete im Smithsonian und im kollektiven Gedächtnis der Popmusik. Und du – welches Instrument würde bei dir denselben Effekt erzielen?

Quellen

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