
- Die Hammond-Orgel wurde 1934 von Laurens Hammond, einem amerikanischen Ingenieur, der nicht einmal Musiker war, erfunden.
- Das System der Tonräder und Registerzüge (drawbars) ermöglicht Millionen einzigartiger Klangkombinationen.
- Die Hammond B-3, eingeführt 1955, wurde dank Pionieren wie Jimmy Smith und Jon Lord zum Lieblingsinstrument im Jazz, Rock und Soul.
- Das Leslie-Lautsprechergehäuse verlieh der Hammond-Orgel ihren charakteristischen rotierenden Klang, der untrennbar mit ihrer musikalischen Identität verbunden ist.
Wir alle haben diesen warmen, wirbelnden Klang im Ohr, der Stücke wie Green Onions, A Whiter Shade of Pale oder Highway Star durchzieht. Ich sehe viele Musiker, die die Hammond-Orgel über Rock oder Jazz entdecken und schließlich völlig süchtig nach diesem außergewöhnlichen Instrument werden.
Hinter diesem legendären Klang steckt eine unglaubliche Geschichte: die eines Uhrenerfinders, der die populäre Musik revolutionierte, ohne jemals eine einzige Musiktheoriestunde genommen zu haben. Die Hammond-Orgel hat Jahrzehnte, Genres und Moden überdauert und ist heute ein unverzichtbares Instrument für jeden, der Seele und Charakter in sein Spiel bringen möchte. Ein Rückblick auf eine Geschichte, die es wert ist, erzählt zu werden.
Laurens Hammond: Ein Erfinder wie kein anderer
Geboren 1895 in Evanston, Illinois, war Laurens Hammond vor allem ein vielseitiger Ingenieur. Absolvent der Cornell University im Maschinenbau, erfand er unter anderem ein Automatikgetriebesystem (von Renault abgelehnt), ein Verfahren für 3D-Kino und vor allem einen Synchronmotor, der auf Wechselstrom mit 60 Hz abgestimmt ist – derselbe Motor, der 1928 seine geräuschlose Uhr antreibt.
Als die Große Depression die Uhrenverkäufe einbrechen ließ, suchte Hammond nach neuen Einsatzmöglichkeiten. Fasziniert von den Klängen seiner Laborplattenspieler, entwickelte er eine erschwingliche elektrische Orgel für einfache Kirchen. 1934 wurde das Patent angemeldet. Die Ingenieure von Henry Ford bestellten sechs Exemplare, noch bevor die Produktion begann.
Die allererste Hammond-Orgel (Seriennummer 1) ging nicht an Henry Ford oder George Gershwin, wie oft angenommen wird. Sie wurde an einen Händler in Kansas City geliefert, um als mobiler Demonstrator zu dienen. Heute wird sie im Smithsonian Institution in Washington aufbewahrt.
Tonräder und Registerzüge: Die Mechanik des Hammond-Klangs
Das Prinzip der Hammond-Orgel basiert auf einem Konzept, das vom Telharmonium von Thaddeus Cahill (um 1900) stammt, jedoch miniaturisiert wurde. Das Instrument verwendet 91 Tonräder (tonewheels): kleine gezahnte Metallscheiben, die nahe an einem Elektromagneten rotieren. Jedes Rad erzeugt ein elektrisches Signal mit einer bestimmten Frequenz, abhängig von der Anzahl der Zähne und der Drehgeschwindigkeit.
Was die Hammond so besonders macht, sind die harmonischen Registerzüge (drawbars). Neun Registerzüge pro Manual, jeder steuert die Lautstärke einer Obertonreihe. Durch Kombination kannst du Millionen von Klangfarben formen: vom sanften Flötenklang bis zum durchdringenden Blechregister. Das ist additive Klangsynthese avant la lettre und verleiht der Hammond ihre nahezu unendliche Klangpalette.
Von Kirchen zu Jazzclubs: Die Revolution von Jimmy Smith
Ursprünglich wurde die Hammond-Orgel für Kirchen entwickelt. Und das funktionierte: Bereits 1938 besaßen über 1.700 Gemeinden eine. Doch das Instrument befreite sich bald aus dem Kirchenschiff. Fats Waller war einer der ersten Jazzmusiker, der sich dafür interessierte, gefolgt von Wild Bill Davis. Der wirkliche Wendepunkt kam 1955, als ein gewisser Jimmy Smith die brandneue Hammond B-3 in die Hände bekam.
Smith ist ein Sonderfall. Nachdem er Wild Bill Davis spielen hörte, kaufte er eine Hammond, schloss sich über ein Jahr in einem Lagerhaus in Philadelphia ein und entwickelte eine revolutionäre Technik: Basslinien mit den Pedalen, Akkorde mit der linken Hand, Bebop-Melodien mit der rechten. Er erfand buchstäblich den Soul Jazz. Seine ersten Alben bei Blue Note ab 1956 schlugen ein wie eine Bombe. Die Hammond B-3 stieg vom Kuriosum zum Königsinstrument des Jazz auf.
Jimmy Smiths ikonischste Registerzug-Einstellung? Die ersten drei Drawbars auf dem oberen Manual-Preset „B“, mit aktivierter Percussion auf der 3. Obertonreihe mit schnellem Abklingen. Dieses Setting definierte den Klang der Jazz-Orgel, wie wir ihn kennen – und den du auf jeder modernen Hammond-Orgel nachstellen kannst.
Das Leslie-Gehäuse: Der klangliche Zwilling der Hammond
Man kann nicht über den Hammond-Klang sprechen, ohne das Leslie-Gehäuse zu erwähnen. 1941 platzierte der Ingenieur Donald Leslie einen rotierenden Lautsprecher vor einem festen Horn, um einen Modulationseffekt durch den Doppler-Effekt zu erzeugen: Vibrato, Tremolo und eine Luftbewegung, die dem Klang eine einzigartige dreidimensionale Tiefe verleihen.
Ironischerweise hasste Hammond die Erfindung, als Leslie sie ihm vorstellte – er wollte, dass seine Orgel ihrem klassischen Klang treu bleibt. Leslie startete daraufhin seine eigene Produktion, und das Duo Hammond + Leslie wurde schnell untrennbar im Bewusstsein der Musiker. Diese Kombination erzeugte den berühmten warmen, rotierenden Klang, den du in Sekundenbruchteilen erkennst.
Die Hammond erobert den Rock
Während Jimmy Smith die Grundlagen im Jazz legte, katapultierte der Rock der 60er und 70er Jahre die Hammond-Orgel zu weltweiter Bekanntheit. Booker T. Jones und sein legendäres Green Onions (1962), Ray Manzarek von den Doors, Keith Emerson mit ELP, Gregg Allman… Die Liste der Fans ist lang. Doch am spektakulärsten ist Jon Lord, Mitbegründer von Deep Purple.
Lord hatte den Mut, seine Hammond C-3 direkt an einen Marshall-Verstärker anzuschließen. Das Ergebnis: ein verzerrter, aggressiver Orgelklang, der mit Ritchie Blackmores Gitarre konkurrieren konnte. Auf Highway Star oder Smoke on the Water ist die Orgel nicht mehr nur Begleitung – sie wird zum eigenständigen Lead-Instrument. Lord erfand den Klang des Hard-Rock-Keyboard, dessen Einfluss noch heute bei Künstlern wie Cory Henry oder zeitgenössischen Neo-Soul-Bands nachhallt.
Du möchtest den Klang von Jon Lord zu Hause nachahmen? Aktiviere den Overdrive im Röhrenmodus auf deiner Hammond-Orgel, schalte das Leslie aus und sende das Signal in einen Gitarrenverstärker oder eine verzerrte Amp-Simulation. Diese Kombination „Orgel + Marshall-Verzerrung“ erzeugt den charakteristischen Rock-Sound.
Die Hammond heute: Die Legende lebt weiter
Die Produktion der originalen B-3 endete Ende 1974, bedingt durch die hohen Herstellungskosten der Tonräder. Nach der Insolvenz von Hammond 1985 wurde die Marke übernommen und mit digitalen Modellen neu aufgelegt, die das Verhalten der Originale dank Modellierung getreu nachbilden. Heute bietet die Hammond-Produktpalette Instrumente für alle Bedürfnisse, vom Bühnenspieler bis zum Home-Studio-Enthusiasten.
Die Hammond XK-5 ist die Referenz unter den modernen Clonewheels. Ihr MTW-Motor (Modeled Tone Wheels) reproduziert das Verhalten der Tonräder mit beeindruckendem Detail: 2 x 9 Registerzüge, Röhrenvorverstärker 12AU7/12AX7 und eine hochparametrisierbare Leslie-Sektion. Mit ihrer 73-notigen Waterfall-Tastatur und 15,4 kg bietet sie das authentischste B-3-Erlebnis im transportablen Format.



Für Keyboarder, die Vielseitigkeit suchen, kombiniert die Hammond SK Pro drei Audiomotoren (Orgel, Piano/Ensemble, Mono-Synth) in einem 9,3 kg leichten Format. Ideal, um Orgel, Klavier und Leads auf der Bühne zu spielen, ohne mehrere Keyboards mitnehmen zu müssen.
Und wenn du den Hammond-Sound im kompaktesten Format möchtest, bietet die Hammond M-Solo eine B-3-Emulation, drei Transistororgeln (Vx, Farf, Ace), einen polyphonen Synth und eine Leslie-Simulation in nur 3,6 kg. Perfekt als Zweitkeyboard oder fürs Home-Studio.
Du bist unsicher, welches Modell das richtige für dich ist? Wenn dir die B-3-Klangtreue am wichtigsten ist, ist der XK-5 unschlagbar. Brauchst du ein vielseitiges Bühnenkeyboard, das auch Piano und Synth kann, ist der SK Pro die richtige Wahl. Und wenn Portabilität zählt, passt der M-Solo mit 3,6 kg überall hin. Kontaktiere gerne unsere Berater, um das Modell zu finden, das zu deinem Spiel passt.
Ein ewiges Instrument
Von der Werkstatt eines Uhrenherstellers bis auf Bühnen weltweit hat die Hammond-Orgel eine Geschichte erlebt, die kein anderes Keyboard vorweisen kann. Für Kirchen entworfen, vom Jazz adoptiert, vom Rock beflügelt, vom Hip-Hop gesampelt – sie hat jede Epoche überdauert und ist ihrer Stärke treu geblieben: einem organischen, ausdrucksstarken und sofort erkennbaren Klang. Ob erfahrener Organist oder neugieriger Einsteiger – eine Hammond zu spielen heißt, ein Stück lebendige Musikgeschichte zu berühren.

