
Seit über zwanzig Jahren etabliert sich Elektron als einer der visionärsten Hersteller elektronischer Musik. Von der legendären Machinedrum bis zum Octatrack, über die Digitakt und Syntakt, hat die schwedische Marke einen soliden Ruf aufgebaut: Studio- und Bühneninstrumente anzubieten, die Musiker dazu anregen, neue Wege zu erkunden. Mit dem Tonverk geht Elektron einen Schritt weiter. Vorgestellt als ein polyphoner Multisampler und umfassender Audio-Prozessor vereint er alles, was die DNA der Marke ausmacht – Leistung, Flexibilität, Robustheit – und eröffnet völlig neue kreative Horizonte.

Ein Instrument, das als Abenteuer gedacht ist
Dieses neue Modell ist nicht einfach nur eine weitere Drum Machine oder ein Sampler, sondern eine Maschine, die für Abenteuer gemacht ist. Das Konzept ist klar: Musikern ein Werkzeug zu geben, das sowohl als Leitfaden als auch als Spielfeld dient. Der Tonverk ist zugleich:
- ein polyphoner Sampler, der einfache Dateien oder multisamplte Instrumente abspielen kann,
- ein Routing-Labor mit mehreren Bussen und Sends,
- ein reichhaltiger und vielseitiger Effektmixer,
- eine Maschine mit „Spuren in Spuren“ dank der Sub-Tracks,
- eine echte multitonale Fabrik, die komplexe Texturen gleichzeitig verwalten kann.
Das Gerät ist also nicht einfach eine geschlossene Box mit festen Patterns: Es lädt zur klanglichen Erkundung und zum Live-Spiel ein. Elektron beschreibt das Erlebnis als ein „wunderbares Labyrinth“, in das man eintauchen kann. Und wie bei all ihren Maschinen verwandelt sich die Lernkurve schnell in kreativen Spaß.
Architektur: 8 Audiokanäle, aber nicht nur
Im Herzen des Tonverk befinden sich 8 Stereo-Audiokanäle. Doch das ist nur die erste Ebene. Hinzu kommen:
- 4 Bus-Spuren,
- 3 Effekt-Send-Spuren,
- und eine globale Mix-Spur.

Das gesamte System ist für intensives Routing ausgelegt, intern wie extern. Konkret können Sie eine Spur an einen Bus senden, dort mit spezifischen Effekten bearbeiten und dann zurück zum Hauptmix schicken. Diese Art von Flexibilität, teilweise aus der Welt der DAWs übernommen, ist bei Hardware-Maschinen selten.
Jede Audiospur kann verschiedene „Motoren“ oder „Maschinen“ laden, je nachdem, welche Rolle sie spielen soll. Das ist eine der Stärken der Elektron-Philosophie: Statt mehrere Geräte zu verwenden, wird eine Spur modular.
Die vier verfügbaren Maschinen pro Spur
- Single Player: Die direkteste Maschine. Sie ermöglicht das Abspielen einfacher WAV-Dateien, mono oder stereo, polyphon. Looping, Crossfade für fließende Loops, Definition der Abspielpunkte… Alles ist auf flexibles Sampling ausgelegt.
- Multi Player: Hier tauchen Sie in die Welt des Multisamplings ein. Sie können komplette Instrumente aus der Tonverk-Bibliothek laden und polyphon spielen. Noch besser: Mit dem Auto Sampler können Sie Ihre eigenen Instrumente in direkt nutzbare multisamplte Patches verwandeln.
- Subtracks: Eine der markantesten Innovationen. Diese Maschine erlaubt es, bis zu 8 monophone und multitimbrale Subspuren zu einer einzigen Spur hinzuzufügen. Jede hat ihren eigenen Sample, Sequencer und Parameter. Ergebnis: Eine Spur wird zu einer „Mini-Band“ aus 8 unabhängigen Instrumenten.
- MIDI: Wandelt eine Audiospur in eine MIDI-Spur um. So können Sie externe Instrumente mit derselben Sequenzierungslogik steuern und sogar die Subspuren nutzen, um komplexe Patterns an Ihre Synthesizer zu senden.

Zwei Sampling-Methoden
Der Tonverk bietet zwei Ansätze zur Klangaufnahme:
- Recorder: Für einfaches Audio-Sampling, intern oder extern. Ideal, um eine Synthesizer-Schleife, eine Gesangsaufnahme oder eine Textur von einem benachbarten Instrument aufzunehmen.
- Auto Sampler: Hier steuert das Gerät Ihr Instrument via MIDI, nimmt automatisch jede Note auf und erstellt ein schlüsselfertiges multisample Instrument. In wenigen Minuten können Sie einen externen Synth in ein Patch verwandeln, das direkt im Tonverk genutzt werden kann.
Dieser Ansatz wird sowohl Sounddesigner als auch Produzenten ansprechen, die leicht reisen möchten: Sie klonen Ihre Lieblingsinstrumente und nehmen sie überall mit hin.
Modulation und Ausdruckskraft
Jede Audiospur verfügt über mehrere Modulationsquellen:
- ein digitaler Filter,
- zwei zuweisbare LFOs,
- zwei Effekt-LFOs,
- eine zuweisbare Modulationshüllkurve.
Auch Busse, Sends und der globale Mix verfügen über zusätzliche LFOs. Hinzu kommen expressive Steuerungen: Pitch Bend, Modulationsrad, Aftertouch und sogar Atemkontrolle. Kurz gesagt, der Tonverk ist nicht nur ein statischer Sample-Player, sondern ein ausdrucksstarkes und moduliertes Instrument nach Wunsch.
Der Sequencer: das Elektron-Markenzeichen
Man kann über kein Elektron-Produkt sprechen, ohne den Sequencer zu erwähnen, das wahre Markenzeichen der Marke. Der Tonverk geht noch weiter als die erfolgreichen Digitakt oder Octatrack:
- bis zu 256 Schritte pro Pattern und Spur,
- polyphones Sequencing,
- integrierter Arpeggiator für Audio- und MIDI-Spuren,
- unabhängige Länge und Zeitskala pro Spur (ermöglicht Polyrhythmus und Polymeter),
- Parameter Locks,
- Trig-Bedingungen und Wahrscheinlichkeiten,
- Micro Timing,
- Retrig für schnelle Wiederholungen.

Es gibt auch mehrere Live-Spielmodi: Trig pro Spur oder nach Velocity, Tastaturmodus mit 36 verfügbaren Skalen, Akkordmodus und natürlich den „Song“-Modus zur Strukturierung kompletter Stücke.
Dieser Sequencer, bereits als einer der leistungsstärksten der Branche angesehen, wird hier durch die enge Integration mit den Audio- und MIDI-Maschinen noch erweitert und flüssiger gemacht.
Eine Effektfabrik
Elektron hat schon immer großen Wert auf Effekte gelegt, und der Tonverk enttäuscht nicht. Die Liste ist beeindruckend und vielfältig: kombinierte Filter, Filterbank, unendlicher Flanger, panoramischer Chorus, Phaser „Phase 98“, Warble-Effekt, Chrono Pitch, Frequency Warper, Kompressor, Degrader, Dirtshaper, mehrere Delays (Daisy Delay, Saturator Delay) und zwei Reverbs mit klangvollen Namen, Rumsklang und Supervoid.
Die Idee ist klar: eine Palette anzubieten, die von subtil bis radikal reicht, von virtueller analoger Färbung bis zu extremer digitaler Verzerrung. Alles ist in das Routing-System integrierbar, was komplexe Effektketten ermöglicht, die einem Software-Setup würdig sind.
Hardware und Design
Der Tonverk ist in einem robusten Stahlgehäuse gebaut, ganz im Sinne des Elektron-Rufs. Mit den Maßen (286 × 176 × 63 mm) und einem Gewicht von 1,85 kg ist es eine tragbare, aber solide Maschine.
Bei den Anschlüssen finden sich:
- 4 symmetrische Audioausgänge im ¼“ Klinkenformat,
- 2 symmetrische Audioeingänge,
- ein Stereo-Kopfhörerausgang,
- 2 USB-C Anschlüsse,
- MIDI In/Out/Thru mit DIN Sync Ausgang,
- ein SD-Karten-Slot.

Die 48 kHz 24-Bit AD/DA-Wandler garantieren eine treue Audioqualität, und die USB Audio Class Compliant Kompatibilität ermöglicht eine einfache Integration in Computer oder iPad.
Elektron liefert eine 64 GB SD-Karte, das PSU-5 Netzteil, ein USB-C-Kabel und sogar eine exklusive Illustration mit. Wie gewohnt gewährt die Marke eine 3-jährige Garantie.
Für wen ist die Maschine?
Der Tonverk richtet sich an verschiedene Musikerprofile:
- Elektronische Musikproduzenten, die ein Zentrum für ihr Studio suchen.
- Live-Performer, die eine autonome Maschine wollen, die direkt sampeln, sequenzieren und Sounds bearbeiten kann.
- Sounddesigner, die die Vielfalt der Modulationen, den Auto Sampler und die Effektvielfalt schätzen.
- Komponisten, die „DAWless“ arbeiten und eine zentrale Maschine suchen.
Er spricht sowohl diejenigen an, die grenzenlos experimentieren wollen, als auch pragmatischere Nutzer, die ein zuverlässiges Instrument zur Set-Strukturierung suchen.
Stärken und Grenzen
Stärken
- Ultra-flexible Architektur (Audiokanäle, Busse, Sends, Mix). ✅
- Weiterentwickelter Elektron-Sequencer. ✅
- Sehr breite und kreative Effektpalette. ✅
- Auto Sampler zum Klonen eigener Instrumente. ✅
- Robustheit und tadellose Audioqualität. ✅
- Workflow für Live und Studio optimiert. ✅
Potenzielle Grenzen
- Komplexität der Elektron-Maschinen: Die Einarbeitung braucht Zeit. ❌
- OLED-Display (128 × 64) ist im Vergleich zu manchen Konkurrenten schlicht. ❌
- High-End-Maschine, die Anfänger einschüchtern kann. ❌
Fazit: eine Tür zur klanglichen Unendlichkeit

Der Tonverk ist kein einfaches Update eines bestehenden Samplers, sondern ein neues Angebot von Elektron. Als polyphoner Multisampler, Effektprozessor, fortgeschrittener Sequencer und MIDI-Motor vereint er Funktionen, die normalerweise mehrere Geräte erfordern würden.
Es ist eine ambitionierte Maschine, die für diejenigen gedacht ist, die tief in die Klanggestaltung eintauchen wollen – sei es auf der Bühne oder im Studio. Wie bei Elektron üblich, offenbart sie nicht sofort alle ihre Geheimnisse, belohnt aber diejenigen, die sich Zeit nehmen, sie zu meistern.
Eines ist sicher: Der Tonverk etabliert sich bereits als eines der spannendsten Instrumente des Jahres 2025, eine wahre Erkundungsbox für abenteuerlustige Musiker.

