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Die Entstehung des Handpan: die Geschichte eines musikalischen UFOs

Das Wichtigste auf einen Blick
  • Das Handpan geht direkt auf das Hang zurück, das im Jahr 2000 in Bern von Felix Rohner und Sabina Schärer (Unternehmen PANArt) erschaffen wurde.
  • Seine Wurzeln liegen im trinidadischen Steelpan und im indischen Idiophon, dem Ghatam.
  • Der Begriff „Handpan“ tauchte um 2007 auf, um Nachbauten des Hang zu bezeichnen – einem eingetragenen Markenzeichen.
  • PANArt hat die Produktion des Hang 2013 eingestellt und damit einer Vielzahl unabhängiger Instrumentenbauer freie Bahn gelassen.

Ein kristallklarer, fast flüssiger Klang, der im Raum zu schweben scheint, ohne dass man weiß, woher er kommt: Das erste Mal, wenn man ein Handpan hört, bleibt man einfach stehen. Man fragt sich unwigerlich, wie eine schlichte von Hand gehämmerte Stahlschale etwas so Einhüllendes erzeugen kann. Dann folgt die zweite Frage, die man so oft hört: „Aber wo kommt das eigentlich her?“ Die Antwort überrascht: nicht aus einer jahrtausendealten Tradition, sondern aus einer Schweizer Werkstatt an der Schwelle zu den 2000er-Jahren. Das Handpan ist gerade mal fünfundzwanzig Jahre alt. Hier ist die Geschichte der Geburt eines musikalischen Unikums, das den Globus in Rekordzeit erobert hat.

Vor dem Handpan gab es das Steelpan

Um zu verstehen, woher das Handpan stammt, muss man einen Umweg über die Karibik nehmen. In den 1930er- und 1940er-Jahren verwandelten Musiker in Trinidad und Tobago ausgediente Ölfässer in gestimmte Instrumente: Das Steelpan (oder Steel Drum) war geboren. Der Boden des Fasses wurde so getrieben, dass einzelne Zonen auf bestimmten Tonhöhen schwingen. Das ist der direkte technische Vorfahre unseres Handpans.

Allerdings wird das Steelpan mit Stöcken gespielt, auf einem Ständer abgelegt, und klingt hell, perkussiv und ausgelassen – weit entfernt von der weichen, einhüllenden Wärme des Handpans. Das fehlende Bindeglied sollte Tausende von Kilometern entfernt auftauchen, in einer Werkstatt in Bern, Schweiz.

Gut zu wissen

Felix Rohner, einer der beiden Erfinder des Hang, war seit den 1970er-Jahren selbst Steelpan-Bauer und -Stimmer in Bern, bevor er 1993 das Unternehmen PANArt gründete. Das Handpan entstand also nicht aus einem isolierten Geistesblitz, sondern aus jahrzehntelanger Handarbeit.

Die Geburt des Hang: Bern, Jahr 2000

Die Geschichte nimmt im November 1999 eine entscheidende Wendung. Der Schweizer Perkussionist Reto Weber kommt in die PANArt-Werkstatt, um sein Steelpan nachstimmen zu lassen. Dabei erwähnt er beiläufig eine Idee gegenüber Felix Rohner und Sabina Schärer: Er träumt von einem Blechinstrument, das man direkt mit den Händen spielen könnte. Außerdem stellt er ihnen das Ghatam vor – einen süddindischen Tontopf, der mit bloßen Händen geschlagen wird.

Der Funke ist übergesprungen. Spontan kommt dem Duo die Idee, zwei Halbschalen aus ihrem hauseigenen Stahl zusammenzufügen: dem Pang, einem nitriertem, stickstoffangereichertem Stahl, den PANArt seit Mitte der 1990er-Jahre entwickelt hatte. Im Laufe des Jahres 2000 nimmt die Entwicklung Fahrt auf. Die ersten Prototypen des Hang entstehen Anfang 2001 und werden der Öffentlichkeit auf der Frankfurter Musikmesse im März 2001 präsentiert.

Der Name „Hang“ kommt aus dem Berndeutschen und bedeutet sowohl „Hand“ als auch „Berghang“. Ein sprechender Name: ein Instrument, das man mit den Händen spielt und dessen Form an eine Kuppel erinnert. Der Aufbau? Zwei zusammengeklebte Stahlhalbschalen. Oben ein zentraler Ton, der Ding, umgeben von sieben oder acht Klangfeldern. Unten eine glatte Fläche mit einem Loch, dem Dong, der als Resonator wirkt – ähnlich dem Schallloch einer Gitarre.

Tipp

Als Einsteiger solltest du nicht nach einem „Hang“ suchen: Das ist ein eingetragenes Markenzeichen, und das Instrument wird nicht mehr hergestellt. Suche nach einem Handpan in einer einfachen Tonleiter (oft D-Moll oder C-Dur) – das sind die zugänglichsten Stimmungen, um ohne falsche Töne zu improvisieren.

Vom Hang zum Handpan: Wie ein Name zu einer ganzen Kategorie wurde

Der Erfolg des Hang ist sofort und… kaum zu bewältigen. Die Nachfrage explodiert, und PANArt kommt schnell nicht mehr hinterher. Das Unternehmen legt strenge Kaufbedingungen fest – manchmal musste man sogar einen Brief schreiben, um überhaupt eine Chance auf ein Exemplar zu haben. Dieses krasse Missverhältnis zwischen winzigem Angebot und weltweiter Nachfrage weckt naturgemäß Begehrlichkeiten.

Überall auf der Welt beginnen Handwerker, eigene Instrumente nach dem Vorbild des Hang zu bauen. Aber wie soll man sie nennen? Da „Hang“ eine geschützte Marke ist, brauchte es einen Gattungsbegriff. Es ist der amerikanische Hersteller Pantheon Steel, der um 2007 das Wort Handpan für sein eigenes Instrument prägt und populär macht. Der Name passt perfekt: „Pan“ für die Verwandtschaft mit dem Steelpan, „Hand“ für das Spielen mit bloßen Händen.

Heute wird „Hang“ oft fälschlicherweise für jedes Instrument dieser Art verwendet. Es ist ein bisschen so, wie „Tesa“ für Klebeband oder „Tempo“ für ein Taschentuch zu sagen: Die Marke hat am Ende die ganze Kategorie bezeichnet. Technisch gesehen ist dein Instrument aber ein Handpan, kein Hang.

Pro-Tipps

Handpans gibt es in zwei großen Stahlvarianten: nitrierter Stahl (warmer Klang, langer Sustain, aber rostanfällig) und Edelstahl (hellerer Klang, noch längerer Sustain und minimaler Pflegeaufwand). Für ein erstes Instrument, das überallhin mitgenommen wird, ist Edelstahl oft die unkomplizierteste Wahl.

Der weltweite Siegeszug eines außergewöhnlichen Instruments

In gut fünfzehn Jahren hat sich das Handpan vom Nischenobjekt zum globalen Phänomen entwickelt. YouTube und die sozialen Netzwerke haben dazu entscheidend beigetragen: Ein Video von einem Musiker, der auf der Straße oder vor einer beeindruckenden Landschaft spielt, reicht aus, damit Millionen von Aufrufen zusammenkommen. Der hypnotische, entspannende Klang passt perfekt in unsere Zeit.

Einige Gründe für diesen kometenhaften Aufstieg:

  • Die Zugänglichkeit: Kein Notenwissen nötig – alle Töne sind auf eine Tonleiter gestimmt, sodass alles, was du spielst, gut klingt.
  • Das Wohlbefinden: Meditation, Yoga, Sound Baths … das Handpan hat sich in der Welt des ganzheitlichen Wohlbefindens fest etabliert.
  • Die Portabilität: Ein vollständiges Melodieinstrument, das in einen Rucksack passt.
  • Die Ästhetik: Diese Metallkuppel hat einen futuristischen Look, der genauso fasziniert wie er rätselhaft ist.

Auf der Seite der Instrumentenbauer zählt man heute Hunderte von Werkstätten weltweit, vom großen Industriebetrieb bis zum einsamen Luthi. PANArt seinerseits hat den Hang 2013 eingestellt, um sich anderen Klangskulpturen zu widmen (Gubal, Hang Bal …). Ein Kapitel schloss sich – doch das Instrument, das sie erfunden hatten, war bereits längst abgehoben.

Der Woodbrass-Tipp

Vor dem Kauf solltest du so viele Stimmungen wie möglich hören. Die Tonart eines Handpans macht 80 % seines Charakters aus. Wir sehen immer wieder Musiker, die enttäuscht sind, weil sie eine Stimmung gewählt haben, „weil sie verfügbar war“ – und nicht, weil sie zu ihrer Klangwelt passte. Unsere Auswahl an Handpans und Tongue Drums deckt die gängigsten Stimmungen ab und hilft dir, die richtige zu finden.

Und wo stehen wir heute?

Das Instrument entwickelt sich weiter. Edelstahl hat sich dank seiner Stimmstabilität und Korrosionsbeständigkeit weitgehend durchgesetzt, wie bei den Modellen Sela Harmony in C oder der auf 432 Hz gestimmten Unity-Version. Die Marken erweitern ihr Stimmungsangebot ständig, vom klassischen D-Moll bis zu exotischeren Skalen für fortgeschrittene Spieler.

Es gibt sogar digitale Versionen, wie das Roland Mood Pan MN-10, das das Handpan-Spielgefühl mit Kopfhörer und zahlreichen Klangfarben simuliert. Beweis dafür, dass das Instrument fünfundzwanzig Jahre nach seiner Geburt in einer Berner Werkstatt noch lange nicht aufgehört hat, sich neu zu erfinden.

Ein Instrument von gestern, das bereits zur Legende geworden ist

Das ist die ganze Ironie des Handpans: ein Instrument mit einem so zeitlosen Klang, dass man es für uralt halten könnte – dabei ist es jünger als die meisten deiner Playlists. Vom karibischen Steelpan über das indische Ghatam bis hin zum handwerklichen Genie zweier beharrlicher Schweizer verdichtet es Einflüsse aus aller Welt in einer einzigen Stahlkuppel. Wenn du das nächste Mal deine Hände darauf legst, weißt du, dass du ein Stück Geschichte spielst, die noch geschrieben wird. Also – bereit, deine erste Tonleiter zum Klingen zu bringen?

Quellen

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